Masterplan “green Berlin Music Week”

Posted on January 11th, 2011 at 5:36 pm


Im Auftrag von Kulturprojekte Berlin entwickelte die Green Music Initiative mit green Berlin Music Week 2010 erstmalig ein Leitbild für eine umweltverträgliche Berlin Music Week. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung ist mit nicht zu unterschätzenden Umweltwirkungen verbunden. Gerade die Vielzahl der Orte, Konzepte und Akteure stellt ein systematisches Umweltmanagement vor große Herausforderungen. Gemeinsam mit der Green Music Initiative hat der Zusammenschluss der Akteure nun Wege definiert, wie mit dieser Herausforderung in Zukunft sinnvoll umgegangen werden soll. Die Akteure der Berlin Music Week werden dabei unterstützt, CO2-Hotspots und Umwelteinwirkungen aufzudecken und umwelt- und klimaschützende Maßnahmen umzusetzen. Die Identifikation von Synergien und Potentialen steht dabei im ersten Schritt im Mittelpunkt.

Der Flickr-Stream zeigt einige Eindrücke von der Pressekonferenz zum Projekt, sowie Bilder der ersten ergriffenen Maßnahmen.

Auf dem Weg zu einer green Berlin Music Week –
Handlungsfelder für effektiven Umwelt- und Klimaschutz

Bei regelmäßigen Treffen der Partner, sowie bei bilateralen Gesprächen zwischen den einzelnen Akteuren und der Green Music Initiative wurden bisherige Aktivitäten im Bereich Umwelt- und Klimaschutz diskutiert, Potentiale ausfindig gemacht und Lösungsansätze entwickelt. Obwohl sich die Vielzahl der Akteure (Festival, Musikfachmesse, Musikkongress, Clubnacht usw.) mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert sehen, konnten dennoch Querschnittsthemen ausfindig gemacht, die für alle Beteiligten von großer Relevanz sind. Darauf aufbauend wurden schließlich Handlungsfelder definiert, die im Folgenden dargestellt werden. Sie bilden den Kern des Leitbildes für eine umweltverträgliche Berlin Music Week.

Energie

Ein großer Teil der CO2-Emissionen in Deutschland entsteht durch die derzeit vorherrschende Energieversorgung, die  hauptsächlich auf fossilen Energiequellen beruht. Der Wechsel zu Ökostrom kann deshalb ein wesentlicher Beitrag zur Energiewende und somit zur Reduktion von Emissionen sein. Diese Option stellt auch für die Berlin Music Week einen großen Hebel dar, um ihre Umwelteinwirkungen drastisch zu reduzieren und sollte deshalb sukzessive in allen Bereichen umgesetzt werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, Potentiale der Energieeffizienz in allen Bereichen systematisch zu erschließen. Das beginnt bei der Verbesserung organisatorischer Abläufe und der Motivation zu Verhaltensänderung und erstreckt sich bis in den Bereich der Neuinvestitionen in energieeffiziente Geräte und Sanierung. Der Nutzen ist hier meist ein doppelter. Entlastung für die Umwelt einerseits und finanzielle Einsparungen durch gesenkte Energiekosten andererseits.

Vision 2020
Bis zum Jahre 2020 sollte der Anteil Ökostrom am Strommix der Berlin Music Week 50% betragen. Zudem soll durch Maßnahmen der Energieeffizienz der Energieverbrauch um 30% gesenkt werden (im Vergleich zum Ausgangsjahr 2011).

Best Practice
Bei 90 % der Leuchtmittel auf dem Berlin Festival kommen hocheffiziente LEDs zum Einsatz. Im Jahr 2009 waren es nur 50%. LEDs sind derzeit zehnmal so effektiv wie konventionelle Leuchtmittel.

Hocheffiziente LEDs auf dem Berlin Festival

Beschaffung & Ressourcennutzung

Beschaffung & Ressourcennutzung sind zwei wichtige Stellschrauben auf dem Weg zu einer umweltverträglichen Berlin Music Week. Bei einem Großereignis wie der Berlin Music Week werden große Mengen “Material” aufgewendet, in vielen Fällen nur mit einem Einwegnutzen. Es ist sinnvoll in Zukunft vermehrt Materialien wieder zu nutzen, vor allem im Messebau. Zudem ist eine gemeinsame Beschaffung mit verstärkten Umweltkriterien äußerst sinnvoll, um auf diese Weise die Ressourcennutzung zu minimieren.

Vision2020
Über 90% der Materialen im Messebau werden wiederverwendet. Darüber hinaus wird durch eine gemeinsame Beschaffung und verstärkten Einsatz von mobilen Applikationen für Smartphones das Aufkommen an Druckerzeugnissen der Akteure halbiert (im Vergleich zum Ausgangsjahr 2011). Weitere Materialien (Merchandise-Artikel, Banner usw.) genügen hohen ökologischen und sozialen Kriterien (z.B.: Fairtrade, GOTS-Standard usw.)

Best Practice
In diesem Jahr werden ca. 80% der Stände von der Popkomm selbst gestellt, nicht von den Ausstellern. Dadurch wird die Wiederverwendung von Mobiliar, Spanwänden, Böden und weiteren Materialien erleichtert.

  • Der aktuelle Veranstaltungskalender Soundscape der Berlin Music Week erspart zusätzlichen Flyerdruck. Zudem gibt es den Veranstaltungskalender als mobile Applikationen für Smartphones.
  • Banners to Bags. Banner der Berlin Music Week 2010 werden zu Taschen verarbeitet.

Der Veranstaltungskalender der Berlin Music Week (Soundscape) als IPhone-App.

Banner to Bags

Catering

Die Erzeugung von Lebensmitteln ist mit einer Vielzahl von negativen Umwelteinwirkungen verbunden. Durch umwelt -und sozialverträgliches Catering (weniger Fleisch und Fisch, vermehrt biologische, regionale, sowie fair gehandelte Waren) kann exemplarisch gezeigt werden, wie sich diese Umwelteinwirkungen verringern lassen. Derartiges Catering bietet also die Chance bewußt zukunftsfähigen Konsum vorzuleben. Hierbei geht es keineswegs darum, Verzicht zu predigen, vielmehr kann gezeigt werden: Nachhaltiges Catering ist die bessere Alternative.

Vision 2020
Bei Empfängen der Berlin Music Week ist das Catering zu 90% vegetarisch und wird ausschließlich aus biologischen Produkten zubereitet. Zudem wird der Anteil von regionalen und fairtrade Produkten verdoppelt. Im Rahmen des Berlin Festivals sind 50% des Caterings vegetarisch oder vegan. Der Anteil an biologischen, regionalen und fairtrade Produkten beim Catering wird ebenfalls verdoppelt.

Best Practice
Das Catering zur Eröffnung der diesjährigen Berlin Music Week ist schon zum Teil ergrünt. Große Teile der Produkte stammen aus der Region und 2/3 der Speisen sind vegetarisch. Z.B: Spreewälder Gurkensticks mit Brot, Samosas mit Gemüsefüllung, Gemüsetempura usw.

Bio Catering auf dem Berlin Festival

Abfall / Entsorgung

Müll ist eine der offensichtlichsten Umwelteinwirkungen. Durch ein systematisches Abfallmanagement ist es möglich das Abfallaufkommen der Berlin Music Week insgesamt zu reduzieren. Darüber hinaus könnte in Zukunft ein größerer Anteil recyclebarer Materialien der Wiederverwertung zugeführt werden.

Vision 2020
Das Abfallaufkommen der Berlin Music Week wurde halbiert (im Vergleich zum Ausgangsjahr 2011). Zudem werden 30% der Materialien wiederverwertet.

Best Practice
Auf der Popkomm findet bereits Mülltrennung auf dem gesamten Areal statt. Zudem wird bei den Food-Ständen auf dem Berlin Festival der Müll getrennt.

Mülltrennung auf dem Messegelände der Popkomm

Mobilität

Der größte Anteil an klimaschädlichen Emissionen in der Musikbranche entsteht bei der An- und Abreise der Fans und Besucher zu Musikereignissen. Deshalb scheint es sinnvoll die Besucher der Berlin Music Week in Zukunft verstärkt zu motivieren mit Bus oder Bahn anzureisen. Zudem sollten umweltfreundliche Mobilitätsangebote (Nahverkehrstickets in allen Berlin Music Week-Tickets, Leihräder, Velo-Taxis usw.) während der Berlin Music Week ausgebaut werden.

Vision 2020
Die Reiseemissionen der BesucherInnen wurden um 30% gesenkt (im Vergleich zum Ausgangsjahr 2011). Zudem reisen doppelt so viele BesucherInnen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an. In allen Tickets für die Berlin Music Week sind Tickets für den öffentlichen Nahverkehr, Velotaxis, sowie Leihräder integriert.

Best Practice

  • Im Rahmen von Clubspree Berlin kommen solarbetriebene Bootshuttles zum Einsatz, welche die BesucherInnen zu den verschiedenen Veranstaltungsorten entlang der Spree bringen.
  • Mit einer großangelegten Mobilitätsumfrage wird erstmals das Mobilitätsverhalten der BesucherInnen der Berlin Music Week systematisch erfasst.
  • Kooperation Popkomm / Deutsche Bahn. Vergünstigte, klimafreundliche Anreise zur Popkomm.

Im Rahmen von Clubspree Berlin gab es einen Solarboot-Shuttle-Service auf der Spree...

...mit einem großen Solarshuttle...

...und 6 kleineren Booten.

Kontakt: Roman Dashuber | Green Music Initiative

+49 30 7790 779 12 | dashuber@thema1.de

www.thema1.dewww.berlin-music-week.de | www.kulturprojekte-berlin.de | www.popkomm.de | www.clubcommission.dewww.berlin-music-commission.de | www.a-2-n.dewww.berlinfestival.de | www.projektzukunft.berlin.de